VDA 6.3 Prozessaudit

VDA 6.3 Prozessaudit: Leitfaden

Prozesselemente P1 bis P7, Schildkrötendiagramm, Bewertungssystematik und praktische Umsetzung für Qualitätsmanager.

Was ist VDA 6.3?

VDA 6.3 ist der prozessorientierte Auditstandard des Verbands der Automobilindustrie (VDA) für die Lieferkette. Er wurde 1998 erstmals veröffentlicht und zuletzt 2016 grundlegend überarbeitet. Der Standard beschreibt, wie Produktionsprozesse bei Lieferanten systematisch bewertet werden - nicht ob ein Qualitätsmanagementsystem existiert, sondern ob die Prozesse tatsächlich beherrschbar und stabil sind.

VDA 6.3 ist kein Zertifizierungsstandard wie ISO 9001 oder IATF 16949, sondern ein Auditinstrument, das OEMs und Tier-1-Lieferanten einsetzen, um die Prozessqualität in der gesamten Lieferkette zu bewerten und sicherzustellen. Ein positives VDA-6.3-Audit ist in vielen deutschen OEM-Lieferketten Voraussetzung für die Serienfreigabe oder Neuvergabe von Aufträgen.

Wer braucht VDA 6.3?

Jeder Zulieferer, der Teile oder Dienstleistungen an deutsche OEMs (VW, BMW, Mercedes, Porsche, Audi) oder deren Tier-1-Lieferanten liefert, muss mit VDA 6.3 Audits rechnen. Die Norm gilt für Produktionsprozesse, Logistikprozesse und - seit der Überarbeitung 2016 - explizit auch für Dienstleistungsprozesse.

Was ein bestandenes VDA-6.3-Audit bringt

VDA 6.3 ist mehr als eine Compliance-Übung. Lieferanten, die den Standard ernstnehmen, sehen messbare Verbesserungen in Qualität, Liefertreue und Kundenzufriedenheit.

Lieferantenfreigabe und Auftragserhalt

Viele OEMs und Tier-1-Lieferanten verlangen ein VDA-6.3-Audit mit einem Mindestergebnis (typisch: B-Bewertung oder besser) als Voraussetzung für die Serienfreigabe. Ein gut vorbereiteter Zulieferer gewinnt Aufträge, die schlechter aufgestellte Wettbewerber verlieren.

Prozessstabilität und Null-Fehler-Ziel

Die VDA-6.3-Systematik zwingt zur tiefen Auseinandersetzung mit Prozessrisiken, Fehlermöglichkeiten und Steuerungsmaßnahmen. Lieferanten, die ernsthaft auditieren, identifizieren Schwachstellen, bevor der Kunde sie findet.

Frühwarnsystem für die gesamte Lieferkette

Die strukturierte Bewertung der Prozesselemente P1-P7 deckt Risiken in Planung, Beschaffung, Personal, Fertigung und Versand auf - nicht erst beim Kundenreklamation, sondern präventiv.

Objektivierbare Lieferantenbewertung

Das standardisierte Punktesystem (0-10 je Frage) macht Lieferantenvergleiche möglich. Einkäufer können Risiken quantifizieren und Entwicklungsmaßnahmen gezielt steuern.

Grundlage für kontinuierliche Verbesserung

VDA-6.3-Audits liefern strukturierte Befunde mit Priorisierung. Jedes Potenzial ist eine konkrete Verbesserungsmaßnahme. Regelmäßige Re-Audits machen Fortschritte messbar.

Reduzierung von Qualitätskosten

Fehler, die in der Prozessbewertung erkannt werden, kosten einen Bruchteil von Fehlern, die in Serie gehen. Die 1-10-100-Regel gilt besonders in der Automobilindustrie mit ihren hohen Nacharbeits- und Rückrufkosten.

Die sieben Prozesselemente P1 bis P7

VDA 6.3 gliedert den gesamten Wertschöpfungsprozess eines Lieferanten in sieben Prozesselemente. P1 und P2 betreffen die Kundenprojektmanagement- und Produktentwicklungsphase (APQP/PPAP-Phase). P3 bis P7 gelten für den laufenden Serienprozess. Jedes Prozesselement wird mit einer Reihe von Fragen bewertet, die beobachtbare Nachweise erfordern - keine Selbstauskunft, keine reinen Dokumentenprüfungen.

P1 (Potenzialsanalyse) bewertet die Grundvoraussetzungen des Lieferanten: Managementsystem, finanzielle Stabilität, technische Kompetenz. P2 (Projektmanagement) prüft, ob Produktentwicklung und Anlaufplanung strukturiert ablaufen. P3 (Planung der Produkt- und Prozessentwicklung) bewertet die FMEA- und Kontrollplanentwicklung. P4 (Realisierung der Produkt- und Prozessentwicklung) prüft Bemusterung und Serienanlauf. P5 (Lieferantenmanagement) bewertet das Beschaffungsmanagement des Zulieferers selbst. P6 (Prozessanalyse/Serienproduktion) ist das Kernstück: die Bewertung des laufenden Fertigungsprozesses anhand des Schildkrötendiagramms. P7 (Kundendienst/Kundenzufriedenheit/Service) prüft Reklamationsbearbeitung und kontinuierliche Verbesserung.

VDA-6.3-Audit durchführen: Schritt für Schritt

Ein strukturierter Ablauf ist entscheidend - sowohl für den Auditor als auch für den Lieferanten. Diese sechs Phasen decken die vollständige Audit-Durchführung ab.

01

Audit-Vorbereitung und Fragebogenauswahl

Der Auditor wählt den relevanten Fragebogen (Serienprozess, Dienstleistung oder Projekt) und stimmt den Scope mit dem Lieferanten ab. Checklisten, Kontrollpläne, FMEAs und Prozessflussdiagramme werden vorab angefordert. Der Lieferant bereitet Nachweise vor - nicht als Vortäuschung, sondern als Effizienzmaßnahme.

02

Eröffnungsgespräch und Prozessübersicht

Der Auditor verschafft sich einen Überblick über den Produktionsprozess anhand der Turtle-Diagramm-Struktur: Inputs, Outputs, Ressourcen (Maschinen, Personal, Material), Methoden und Messung. Dieser Schritt verhindert, dass kritische Teilprozesse im Audit übersehen werden.

03

Prozessbegehung und Fragebogenbearbeitung

Im Kern des Audits werden Fragen direkt am Prozess bewertet. Jede Frage erhält 0, 4, 6, 8 oder 10 Punkte - Zwischenwerte gibt es nicht. Die Bewertungskriterien sind in der VDA-6.3-Norm und in den zugehörigen Interpretationsblättern präzise definiert. Abweichungen werden mit konkreten Befunden dokumentiert, nicht nur mit Punktabzug.

04

Schildkrötendiagramm ausfüllen

Das Schildkrötendiagramm (Turtle Diagram) ist das zentrale Analyse-Werkzeug für P6. Es visualisiert für jeden Teilprozess: Inputs (Material, Informationen), Outputs (Produkte, Daten), Ressourcen (Equipment, Personal, Umgebung), Methoden (Arbeitsanweisungen, Standards) und Messgrößen (KPIs, Prüfmerkmale). Lücken im Schildkrötendiagramm sind direkte Auditbefunde.

05

Bewertung, Degradationsregeln und Gesamtergebnis

Das Gesamtergebnis ergibt sich als Prozentsatz der erreichten Punkte. Degradationsregeln greifen, wenn einzelne Fragen mit 0 bewertet werden: Eine 0-Bewertung in einer Kernfrage kann das Gesamtergebnis auf B oder C degradieren, unabhängig vom Durchschnitt. Klassen: A (100-90%), B (89-75%), C (unter 75%). Klasse C bedeutet in der Regel unmittelbare Eskalation beim Kunden.

06

Maßnahmenplan, Re-Audit und Freigabe

Alle Befunde münden in einen Maßnahmenplan mit Verantwortlichen, Terminen und Wirksamkeitsnachweisen. Re-Audits prüfen die Umsetzung - nicht durch Selbstauskunft, sondern durch erneute Prozessbegehung. Erst nach bestandenem Re-Audit kann eine Lieferantenfreigabe erteilt werden.

Typische Schwachstellen - und wie Sie sie beheben

In Hunderten von VDA-6.3-Audits tauchen dieselben Schwachstellen immer wieder auf. Hier sind die häufigsten - und wie Lieferanten sie strukturiert angehen.

Kontrollplan und FMEA nicht synchron mit dem tatsächlichen Prozess

FMEA und Kontrollplan müssen lebende Dokumente sein, keine Einmalerstattungen für die PPAP-Phase. Implementieren Sie einen Change-Management-Prozess, der Prozessänderungen automatisch eine FMEA-Überprüfung auslöst. Mobile2b kann diesen Workflow digital abbilden.

Fehlende oder unvollständige Prozessparameter-Überwachung (P6)

Kritische Prozessparameter müssen statistisch überwacht werden (SPC), nicht nur visuell kontrolliert werden. Definieren Sie Regelkarten für Schlüsselparameter und schulen Sie Bediener in der Interpretation. Cp/Cpk-Werte unter 1,33 für Merkmalskritikalität A sind ein sofortiger Auditbefund.

Lieferantenmanagement (P5) ohne eigene Audit-Aktivitäten

Zulieferer von Zulieferern werden im VDA-6.3-Audit explizit bewertet. Wenn Sie keine eigenen Lieferantenaudits durchführen, werden Sie dafür Punkte verlieren. Bauen Sie ein pragmatisches Lieferanten-Audit-Programm auf - auch mit digitaler Unterstützung, die den Aufwand minimiert.

Maßnahmenpläne ohne Wirksamkeitsnachweis

Ein Maßnahmenplan ist nur so gut wie sein Follow-up. OEMs bewerten die Wirksamkeit von Korrekturmaßnahmen explizit. Dokumentieren Sie nicht nur die Maßnahme, sondern die Überprüfung der Wirksamkeit mit Datum und Messergebnis. Digitale Systeme erzwingen diesen Nachweis strukturiert.

Mobile2b

VDA-6.3-Audits digital durchführen

Papierbasierte VDA-6.3-Audits mit Excel sind fehleranfällig, zeitaufwändig und produzieren keine auswertbaren Daten. Mobile2b digitalisiert den gesamten Auditprozess - vom Fragebogen bis zum Maßnahmenplan.

Digitaler VDA-6.3-Fragebogen mit Bewertungslogik

Der vollständige VDA-6.3-Fragebogen (P1-P7) ist digital abgebildet. Bewertungsregeln (0/4/6/8/10 Punkte), Degradationslogik und automatische Gesamtberechnung sind eingebaut. Kein Rechnen, keine Übertragungsfehler.

Schildkrötendiagramm digital erfassen

Turtle-Diagramme für jeden Teilprozess direkt im Audit anlegen. Fotos, Notizen und Befunde werden dem Diagramm direkt zugeordnet. Lücken im Prozessverständnis werden sofort sichtbar.

Automatischer Maßnahmenplan und Nachverfolgung

Jeder Befund erzeugt automatisch eine Maßnahme mit Verantwortlichem und Frist. Re-Audit-Termine werden automatisch geplant. Wirksamkeitsnachweise werden strukturiert erfasst und dokumentiert.

Lieferanten-Dashboard und Benchmarking

Alle Audit-Ergebnisse über alle Lieferanten in einer Übersicht. Trendverläufe, Schwachstellenvergleich und Risikoampel auf Knopfdruck. Lieferantenentwicklung wird messbar und steuerbar.

Häufige Fragen zu VDA 6.3

VDA-6.3-Audits professionell digitalisieren

Sehen Sie in einer Live-Demo, wie Mobile2b den gesamten VDA-6.3-Auditprozess - von P1 bis P7 - digital abbildet und Maßnahmenverfolgung automatisiert.

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